schreiben – thanks, but no thanks?

[Dieser Eintrag ist eine Übersetzung meines letzten tumblr-Posts, der hier zu finden ist: Link]

Heute im Laufe des Tages bin ich auf Kai Meyers Website gestoßen. (Kai Meyer ist ein deutscher Autor, der unter anderem diverse Fantasy-Trilogien geschrieben hat.)

Dieses Zitat stammt aus seiner (verdammt großen) FAQ:

Welche Art von Literatur bevorzugen Sie privat?
“Ich kaufe sehr viele Bücher, vorrangig phantastische Literatur, lese aber nur noch wenige bis zum Ende. Ich habe immer mehr Schwierigkeiten, mich auf Romane einzulassen, weil ich die dramaturgischen Kniffe zu schnell durchschaue. Das ist ein wenig wie bei Bühnenzauberern: Wenn man die Tricks kennt, ist es nicht mehr wirklich spannend zuzusehen, wie die Assistentin zersägt wird.”
– Kai Meyer

Nun frage ich mich, wie das jemandem passieren kann, der Bücher so sehr liebt, dass er sich entscheidet, selbst eines zu schreiben.
Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, ist mir aufgefallen, dass ich Bücher seitdem auf einer anderen Ebene lese. Ich habe nach wie vor Spaß am lesen, aber als jemand, der mal einen Versuch gestartet hat, ein eigenes Buch zu schreiben, fallen mir immer wieder Dinge auf, mit denen ich selbst Schwierigkeiten habe. Ich bemerke, wie der Autor Wendungen einsetzt und habe ein besseres Auge für Details, die später wichtig werden; vor allem jedoch verbessert sich mit jedem neuem Buch mein Gespür für Charakterentwicklung.

Aber all diese Dinge sind… gut. Ich liebe es, zu lesen. Das habe ich schon immer. Jetzt, wo ich hin und wieder selbst schreibe, lerne ich sogar noch etwas dabei. Wenn ich eine Geschichte lese, frage ich mich: Ist dieser Abschnitt spannend? Warum? Warum nicht? Wie würde ich es angehen, wenn ich so eine Szene schreiben wollte? Wie ist das Erzähltempo an dieser Stelle? Das finde ich alles wichtig.

Nun frage ich mich: Warum hat einer meiner absoluten Lieblingsautoren irgendwann mehr oder weniger aufgehört, Romane zu lesen?
Wenn ein guter Schneider ein raffiniertes Kleidungsstück findet, guckt er es sich genau an, bis er vielleicht sagt “Okay, ich verstehe, wie das gemacht wurde; so etwas ähnliches kann ich jetzt selbst machen”. Aber wenn ein Autor ein Buch in die Hand nimmt und die Hälfte liest, kann er sagen “Okay, ich weiß, was hier los ist und kann jetzt schon das Ende voraussagen”?
Vielleicht hat er die richtige Idee. Der Typ bekommt das Mädel. Die Welt ist gerettet. So etwas findet man immer wieder. Aber kann er voraussagen, ob besagtes Pärchen am Ende heiratet? Weiß er, dass, obwohl die Welt gerettet wird, der Held am Ende stirbt?
Ich glaube nicht. (Und wenn doch, dann ist das vorliegende Buch vielleicht wirklich schlecht oder für kleine Kinder oder etwas in der Richtung.)
Und was, wenn er nach der Hälfte denkt, es ist eine Typ-bekommt-Mädel-Geschichte, aber dann gibt es eine Wendung und die Welt steht kurz vor dem Untergang, das Mädchen stirbt und der Typ versucht, die Welt zu retten, scheitert aber?
Das weiß man nie, wenn man das Buch nicht zuende gelesen hat.

Auch, wenn der Hauptaspekt eines Buches nicht die Handlung, sondern die Charakterentwicklung ist, kann man es nicht beurteilen, bevor man das komplette Buch gelesen und die Entwicklung nachvollzogen hat.

Ich möchte hier nicht sagen, dass man jedes einzelne Buch zuendelesen muss. Wenn man fünfzig oder hundert Seiten gelesen hat und das Buch immer noch schlecht ist, dann kann men es gern beiseitelegen und ein anderes anfangen. Immerhin liest man ja zum Spaß.

Während Kai Meyer also einer meiner Lieblingsautoren bleibt, kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass das Schreiben etwas in ihm kaputtgemacht hat.
Sein Leben ist offensichtlich nicht mein Leben und ich bezweifle auch, dass es eine Entscheidung war, aber wenn ich meine Fähigkeit, an einem Buch Spaß zu haben tauschen müsste gegen die Fähigkeit, ein Buch zu schreiben – Ich würde es nicht tun.


nanowrimo.

Zum wiederholten Male ist dieser Blog wochenlang vernachlässigt worden. Dieses Mal habe ich aber immerhin eine gute Ausrede: Ich habe im November zum zweiten Mal am NaNoWriMo teilgenommen – und gewonnen!
Das schreit natürlich nach einem eigenen Post und hier ist er.

Als ich 2010 am NaNo teilgenommen habe, war das eine sehr kurzfristige Entscheidung. Ich hatte erst zwei Tage vorher von diesem Projekt erfahren und keinen Plan, keine Story und keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Obwohl ich zwischenzeitlich wirklich hinterher war, habe ich es am letzten Tag noch geschafft, das wieder aufzuholen (das war auch mein Rekordtag mit knapp über 4000 Worten für das Jahr).
Belohnt wurde ich mit einer ganz furchtbar inkonsequenten, aber fertigen Geschichte. Meinen ersten NaNo zu beenden, gehört zu den euphorischsten Momenten in meinem Leben (ungefähr auf einem Level mit dem Tag, an dem ich wider aller Erwartungen 13 Punkte in meiner mündlichen Abiturprüfung in Mathe bekam und meinen Schnitt awesome machte).
Die Geschichte ist allerdings wirklich furchtbar und steht unbearbeitet, aber gedruckt und gebunden in meinem Bücherregal.

2011 war alles anders. Ich wusste, dass ich teilnehmen werde, hatte recht früh meine Idee und habe viel daran gearbeitet, Outlines und Charakterbögen erstellt, Karten gezeichnet und verworfen und neu gezeichnet und so weiter. Beim Schreiben ist natürlich wieder alles anders gekommen und ich habe einiges verworfen und vieles geändert oder hinzugefügt. Trotz meiner Vorbereitung war ich zwischenzeitlich tierisch hinterher – teilweise über 15000 Worte -, war am Ende aber sogar einen Tag früher fertig, weil ich alle meine Schreibrekorde vom letzten Jahr noch überboten habe. Mein neuer Rekord liegt bei 6615 Worten an einem Tag; die 4000er-Marke habe ich mehrmals gebrochen.

Alles in allem lässt sich sagen: Trotz zwischenzeitlicher Hänger wieder ein erfolgreicher NaNo.Leider war mein Gewinn nicht ganz so befriedigend wie letztes Jahr, denn obwohl ich 50000 Worte geschrieben habe, ist meine Geschichte nicht fertig geworden. Von dem Punkt, wo ich aufgehört habe, bis zum Ende des aktuellen Handlungsbogens sind es noch geschätzte 30000 Worte. Damit ist die Geschichte meines Hauptcharakters aber noch lange nicht zuende erzählt, das kann gut und gerne noch einmal so viele Worte dauern.

Aber ob gewonnen oder nicht; der NaNo gibt mir viel mehr als nur eine Geschichte, die endlich geschrieben ist. Die Helden dieses Eintrags sind nämlich all die anderen Hamburger NaNos, die so awesome sind, wie man nur sein kann und allein, um all diese Bekanntschaften zu machen, war es wert, dieses und letztes Jahr am NaNoWriMo teilzunehmen und es wird auch all die nächsten Jahre so weitergehen, hoffe ich!


bücher: 11.

11. Ein Buch, dass du zuerst geliebt hast und jetzt hasst.
(Vollständiger Fragebogen hier.)

Bis(s) zum Morgengrauen [Stephenie Meyer]

Ja, steinigt mich, aber als ich 16 war, mochte ich die Bücher. Geliebt ist sehr stark übertrieben, aber sie waren eine sehr unterhaltsame Urlaubslektüre. (Anmerkung: Ich spreche von den ersten drei Büchern. Das vierte habe ich dann zwar noch mal auf Englisch gelesen, fand es höchst unbefriedigend und das merkwürdige fünfte hab ich nie angefasst.)

Ich meine, ob das nun Vampire sind – die Diskussion wird häufig genug geführt, ich wärme sie jetzt nicht nochmal auf und im Nachhinein fallen mir außerdem immer mehr Dinge auf, die ich doch sehr fragwürdig finde. Aber wie gesagt, ich belasse es dabei überlasse das jetzt den Trollen auf Youtube/Deviantart/you name it.

Dann kam der Film. Er ist meiner Meinung nach schlecht besetzt, schlecht gemacht und spiegelt die Stimmung der Bücher so gut wie gar nicht wieder.

Dennoch kamen die Fans und alles war aus. Ihr wisst, wovon ich spreche.

Aber wenigstens kann ich sagen: Ich habe die Bücher gelesen, ich weiß, worüber ich hier lästere.


bücher: 10.

10. Ein Buch von deinem Lieblingsautor.
(Vollständiger Fragebogen hier.)

Die Fließende Königin [Kai Meyer]

Ich LIEBE diese Bücher einfach.
Wie Kai Meyer so ist, sucht er sich einen Schauplatz – in diesem Fall ist das anfangs Venedig – und erweckt ihn im wahrsten Sinne des Wortes zum Leben. Die steinernen, geflügelten Löwen und sogar und vor allem das Wasser der Lagune ist beseelt, lebendig.

Merle und die blinde Junipa, zwei Waisenkinder, sind auf dem Weg zum Spiegelmacher Arcimboldo, der ihnen Ausbildung und Arbeit geben soll. Das einzige persönliche Stück, das Merle besitzt, ist gleichzeitig die einzige Erinnerung an ihre Eltern, die sie als Baby ausgesetzt haben: Ein Handspiegel, dessen Spiegelfläche aus warmem Wasser zu bestehen scheint, aber niemals ausläuft.

Venedig ist neben dem Zarenreich die letzte Region der Welt, die nicht unter der Herrschaft eines wiedererweckten Pharaos steht, denn die Fließende Königin beschützt die Stadt.

Doch eines Nachts, als Merle mit dem Weberlehrling Serafin unterwegs ist, belauschen sie einen ägyptischen Spion, dem es gelungen ist, die Fließende Königin von der Lagune zu trennen. Merle wird von den Umständen gezwungen, die Essenz der fließenden Königin zu trinken, die fortan als Stimme in ihrem Kopf existiert.

Die Fließende Königin sagt Merle, dass Hilfe von außerhalb benötigt wird, um Venedig zu retten, und weist sie an, den Uralten Verräter aufzusuchen. Unterdessen unterbreitet ein Botschafter der Hölle der belagerten Stadt ein Angebot…

Kai Meyer hat seine Charaktere, seine alternative Realität und seine mythologischen Hintergründe voll und ganz im Griff. Wer Fantasy mag und diese Bücher noch nicht kennt, dem fehlt etwas. Sie zählen zu meinen absoluten Lieblingen – sowohl von Kai Meyer selbst als auch von all meinen Büchern, die ich insgesamt besitze.
(Außerdem haben alle Charaktere in den Büchern SO schöne Namen!)


bücher: 9.

9. Das erste Buch, das du je gelesen hast.
(Vollständiger Fragebogen hier.)

Briefe von Felix [Annette Langen, Constanza Droop]

Vorweg: Es ist nicht das erste Buch, das ich je gelesen habe.
Ich habe als Kind sehr, sehr früh mit dem Lesen angefangen – wo andere Kinder auf Dinge zeigten und wissen wollten, was das ist, habe ich immer auf Buchstaben gezeigt. Und meine Mutter hat mir, Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort immer wieder jedes Werbeplakat, an dem wir vorbeigekommen sind und jede Verpackungsaufschrift vorgelesen. Bis ich dann mit drei Jahren lesen konnte. (Fachterminus dafür ist, hab ich mir sagen lassen, Hyperlexie.)

Da ich so ziemlich alles, was Buchstaben hatte, verschlungen habe, ist es ziemlich schwierig zu sagen, was denn nun mein erstes Buch war. Meine Eltern wissen es auch nicht mehr.

Also bin ich jetzt auf ein Buch ausgewichen, das ich definitiv recht früh gelesen habe und das mich auch lange begleitet hat: Felix. In der Grundschule hatte ich ALLES von Felix – Schultüte, Schulranzen, Federtasche, Bleistifte, Freundebuch, Hausaufgabenheft, Trinkflasche und so weiter. (Ich finde auch nach wie vor, dass mein Felix-Ranzen der Schönste war und mag keine Scout-Dinger mit pinkem Blumenmuster.)

Wer die Bücher nicht kennt: Briefe von Felix ist der erste Teil einer Kinderbuchserie.

Als Sophie mit ihrer Familie aus dem Urlaub zurückkommt, verliert sie ihren Kuschelhasen Felix am Flughafen und nichtmal Papa kann ihn wiederfinden. Doch einige Tage später kommt ein Brief aus London an – von Felix! Über die nächste Zeit erreichen Sophie immer mehr Briefe aus verschiedenen Großstädten der Welt und Felix erzählt ihr, was er dort erlebt.

Der Clou an den Büchern ist: Die Briefe sind echt. Alle paar Seiten klebt ein Briefumschlag, den man öffnen und Felix’ handgeschriebene und -illustrierte Briefe herausnehmen kann.


bücher: 8.

8. Ein Buch, das dich an einen Ort erinnert.
(Vollständiger Fragebogen hier.)

Die Wellenläufer [Kai Meyer]

Dieses Buch erinnert mich auch an einen Ort, nämlich unser altes Wohnzimmer, aber vielmehr an die verknüpfte Situation.

Es war Weihnachten, ich war vielleicht dreizehn oder vierzehn Jahre alt und hatte – wie man es heute gerne leichthin sagt – keine Freunde. (Das ist natürlich nicht ganz richtig so, ich hatte Freunde, aber nicht viele und mein gesamter Sozialkontakt war doch überschaubar.)

Was blieb mir also?

Bücher.

Ich liebe Bücher und habe sie schon immer geliebt und jeder, der mich ein wenig kennt, weiß das. So wusste das auch meine ganze Familie vor jener Weihnachtsfeier auf ihren Geschenkeeinkaufstouren.

Ich mach es kurz: Nach dem Auspacken stand ich neben einem Stapel Bücher, der mehr als halb so groß war wie ich, und war sehr, sehr glücklich.

Eine Trilogie in diesem Stapel war die Wellenläufer-Saga (Für die Unwissenden: bestehend aus “Die Wellenläufer”, “Die Muschelmagier” und “Die Wasserweber”), die nach wie vor eine meiner Lieblingsbuchreihen ist.

Sie spielt in der Karibik und handelt von einem Mädchen namens Jolly, die bei Piraten aufgewachsen ist und eine besondere Fähigkeit hat: Sie kann über das Wasser laufen.

Wie es Kai Meyers großes Talent ist, nimmt er die Welt, wie wir sie kennen, und würzt sie mit einer sorgsam abgemessenen handvoll Mythologie und Magie.

Diese Serie ist definitiv ein Muss für alle Fantasyliebhaber und ich rate: Besorgt euch gleich alle drei Bücher oder versichert euch, dass ihr immer einen offenen Buchladen oder eine Bibliothek in der Nähe habt. Man mag die Bücher nicht aus der Hand legen und will sofort das nächste, sagt meine Erfahrung.


mal eben kurz.

Ich muss dann doch mal eben meine Büchernummer unterbrechen, einfach, weil ich so lachen musste.

Siegfried Kauder ist ein Begriff? Ja? Nein?

Ich warf dann ganz neugierig und abseits der aktuellen Lage mal einen Blick auf seine Homepage.

Wir beginnen bei http://www.siegfriedkauder.de/Kauder2010/index.html  – ob es mit der 2010 irgendeine Bewandnis hat, weiß ich nicht.

Und etwas weiter unten:

Dann hat es mich doch mal interessiert, wie es aussieht, wenn man http://www.siegfriedkauder.de/ direkt ansurft. So.

Und weil das so schön war, gucken wir jetzt auch noch ein bisschen tiefer in die Seite.

Jup, ich wollte nur mal wieder an etwas rumnörgeln. Morgen gehts mit den Büchern weiter.


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